Titelaufnahme

Titel
Unsustainability as an outcome of societies' system dynamics : insights from sociometabolic research / Willi Haas
VerfasserHaas, Willi
Begutachter / BegutachterinFischer-Kowalski, Marina ; Littig, Beate
ErschienenKlagenfurt, May 2015
Umfang159 Seiten : Illustrationen, Diagramme
HochschulschriftAlpen Adria Universität Klagenfurt, Dissertation, 2015
Anmerkung
Zusammenfassung in deutscher Sprache
SpracheEnglisch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Nachhaltigkeit / soziale Ökologie / gesellschaftlicher Metabolismus / sozial-ökologische Transitionen
Schlagwörter (EN)sustainability / social ecology / social metabolism / socioecological transition
Schlagwörter (GND)Nachhaltigkeit / Erschöpfbare Ressourcen / Substitution / Ressourcenökonomie / Umweltökonomie / Strukturwandel
URNurn:nbn:at:at-ubk:1-25749 Persistent Identifier (URN)
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Unsustainability as an outcome of societies' system dynamics [10.31 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Meine Reise durch die verschiedensten Forschungsbereiche begann in den spÃ$ten 70er Jahren. Damals beschÃ$ftigte mich, wie die Frage zu Segen oder Fluch der Atomkraft eine Gesellschaft "spalten" kann. Und, welche der Bewertungen nun richtig und welche falsch sind. In der Zwischenzeit sind die Problemlagen komplexer geworden. Gleichzeitig ist es klar geworden, dass die globale Ãkonomie sich auf einem Pfad befindet, der die planetaren Grenzen des sicheren Handlungsspielraums fÃr die Menschheit Ãberschreitet. Unter diesen UmstÃ$nden muss meine ursprÃngliche Frage, was nun richtig oder falsch ist, neu formuliert werden, vor allem, weil trotz ÃberwÃ$ltigender Evidenz keine Ãnderung beobachtbar ist. Aktuell stellt sich die Frage, wie Systemdynamiken, die Nicht-Nachhaltigkeit permanent erzeugen, beschaffen sind und welche LÃsungen fÃr einen Ausstieg verfÃgbar sind. FÃr meine Analyse verwende ich das "magische Dreieck", ein analoges Konzept zu den gÃ$ngigen Definitionen nachhaltiger Entwicklung, das statt auf statische drei SÃ$ulen auf dynamische Wechselbeziehungen zwischen Wohlstand, Wohlbefinden und Metabolismus als sich positiv aufschaukelnden "Teufelskreis" fokussiert. Diese Aufschaukelung wÃ$re kein Problem, wÃrde das magische Dreieck nicht im Austausch mit der natÃrlichen Umwelt stehen und so eine negative RÃckkoppelung auslÃsen: Steigt der Wohlstand, steigt der gesellschaftliche Metabolismus und gefÃ$hrdet durch eine Verschlechterung des Umweltzustandes das menschliche Wohlbefinden mit einer negativen RÃckwirkungen fÃr den Wohlstand. Auf Basis des magischen Dreiecks kann ich meine Forschungsartikel, die verschiedene Skalenebenen und Zeithorizonte untersuchen, diskutieren. Das trÃ$gt zu einem besseren VerstÃ$ndnis der Systemdynamiken bei, in die Gesellschaften verwickelt sind und die Nicht-Nachhaltigkeit als Ergebnis erzeugen. Zum einen kÃnnen meine Untersuchungen positiv-selbstverstÃ$rkende Mechanismen aufzeigen. Zum anderen kÃnnen sie auf mÃgliche Auswege zur Éberwindung struktureller TrÃ$gheit hinweisen. Auf globaler Ebene zeigt die Untersuchung der ZirkularitÃ$t der globalen Wirtschaft die Wegwerf-Charakteristik heutiger Ãkonomien auf. Dabei hat die schwache KreislauffÃhrung zwei Ursachen: Erstens wird fast die HÃ$lfte der gesellschaftlich prozessierten FlÃsse energetisch verwendet. Diese sind dadurch fÃr Recycling nicht mehr verfÃgbar. Zweitens flieÃt der grÃÃte Anteil der verbleibenden HÃ$lfte in die stark wachsenden gesellschaftlichen BestÃ$nde wie GebÃ$ude, StraÃen und Autos, von denen nur ein kleiner Teil abgerissen bzw. entsorgt wird. Das begrenzt das Potenzial von Recycling. Erst eine Stabilisierung der BestÃ$nde gemeinsam mit einer Ausrichtung auf geringe InstandhaltungsaufwÃ$nde und lange Lebensdauern kÃnnte dies Ã$ndern. Das weist deutlich darauf hin, dass MaÃnahmen, die nur auf der Output-Seite ansetzen, keinen Ausweg aus dem Teufelskreis darstellen. Ressourcenszenarien zeigen, dass eine Halbierung des Materialkonsums durch Umsetzung der "Energiewende" und einer Stabilisierung gesellschaftlicher BestÃ$nde auf heutigem Niveau gemeinsam mit Ãkologischer Produktgestaltung und Recycling mÃglich ist. Auf lokaler Ebene ergibt die Untersuchung der autofreien Siedlung in Wien, dass der Verzicht auf Autos zu anderen klimarelevanten Ausgaben wie Flugreisen fÃhrt und damit die gemachten klimarelevanten Einsparungen wieder weitgehend kompensiert. Ohne BegleitmaÃnahmen ist technischer Fortschritt alleine kein Ausweg aus den Systemdynamiken. Die Untersuchung zur Entwicklungshilfe weist auf den Mechanismus hin, dass nicht-nachhaltige Dynamiken von Ãkonomisch entwickelten zu weniger entwickelten Regionen transferiert werden. Nach dem Tsunami auf der Insel Trinket, wurde die Infrastruktur mit lokal nicht verfÃgbaren Materialien massiv ausgebaut und die Konsummuster wurden innerhalb kÃrzester Zeit an westliche Lebensstile angepasst. SchlieÃlich zeigt die Untersuchung eines Ãsterreichischen Dorfes zu zwei Zeitpunkten im zeitlichen Abstand von 170 Jahren den Ébergang von einer agrarischen zu einer materialintensiven industrialisierten Produktions- und Lebensweise. Selbst nach dem Ébergang lassen sich allerdings persistente Praktiken identifizieren, die als nachhaltig eingestuft werden kÃnnen. Die Studien auf unterschiedlichen Skalenebenen und Zeithorizonten identifizieren vielfÃ$ltige technische bzw. praktische LÃsungen zur Reduktion von Umweltbelastungen ohne offensichtliche Nachteile fÃr das Wohlbefinden. Es mangelt vielmehr an entschlossenen Handlungen fÃr einen zweckgerichteten strukturellen Wandel. Dieser Lock-In Effekt erzeugt Erkenntnisbedarf auf einer neuen nur interdisziplinÃ$r zu bearbeitenden Analyseebene: Was sind die Blockade-Mechanismen? Welche kleinen Ãnderungen kÃnnen den Handlungsspielraum so erweitern, dass neue vielversprechende Ausstiegspunkte, die langfristig den geforderten tiefgreifenden Wandel erlauben, erkennbar werden?

Zusammenfassung (Englisch)

Since the late 1970s, I have undertaken a long journey through different domains of inquiry. In the early days, I pondered the possibility that the question of whether nuclear power threatens or improves future living conditions was causing social "fission". I was also much exercised by the question of who was right and who was wrong in such debates. Meanwhile, it has become clear that the global economy is on a pathway that transgresses the planetary boundaries of a safe operating space for humanity. Given these circumstances, my original question needs to be reformulated, since, despite ample evidence, no changes in the ways economies develop have become visible and their global unsustainability is evident. The question now concerns how the responsible system dynamics that are at work may be overcome. For my analysis I use the framework of the magic triangle, which is analogous to mainstream definitions of sustainability, but instead of static pillars it focuses on the dynamic relationships between prosperity, wellbeing and metabolism as a "vicious circle", in that the three components are mutually reinforcing. But this vicious cycle functions in an exchange relation with the natural environment, and thereby triggers negative feedback. Thus, the more prosperity, the more metabolism and the more threats to human wellbeing, with negative consequences for prosperity. Based on this "magic triangle", I am able to reflect upon what my research articles, dealing with different spatial scales and time horizons, can offer in terms of contributing to a better understanding of the system dynamics in which societies are caught up and which, consequently, generate unsustainability as an outcome. Firstly, my studies can reveal mechanisms responsible for the "vicious" positive self-reinforcing feedbacks and secondly, they can provide insights into promising escape routes, breaking the structural inertia inherent in the system dynamics that are ongoing. At the global level, an investigation of the global economy's circularity shows the throughput characteristics of economies. The low degree of circularity has two main reasons: Firstly, almost half of all processed materials are used to provide energy and are thus not available for recycling. Second, socioeconomic stocks, the lion's share of the remaining half of total processed materials, are still growing at a high rate, with only a smaller share that comes to an end of service. Even if recycling activities were to massively increase, demolished materials would only supply about one half of the materials required for the ongoing net expansion and maintenance of stocks. Thus, recycling has a limited potential as long as the size of stocks is increasing and their quality is not determined by low maintenance and long lifetime criteria. It becomes clear that measures that only address the output side of societal metabolism do not offer escape routes from the vicious cycle. Resource use scenarios reveal that a halving of material consumption is feasible mainly through a decisive "Energiewende" and stabilizing the stock size, together with adoption of eco-design and recycling. On the local level, in my study of the Viennese car-free settlement it became clear that abjuring from owning a car in an urban setting can lead to other carbon intensive expenditures like air travel, which consequently substantially undermine reductions in carbon intensity. Thus, technical progress does not provide an exit point from the system dynamics at work. Further, the case study on development aid reveals a mechanism for transferring unsustainability from economically developed to less developed regions. In the aftermath of the tsunami on Trinket Island, the in situ infrastructure increased mainly through the use of non-local materials and consumption patterns became those of a Western industrial lifestyle. Finally, the case of the Austrian village shows significant material growth over a 170-year period of transition from an agrarian farming to an industrialized mode of life. Nevertheless, even after the transition there are persistent practices that can be assessed as sustainable. These studies on different scales and across different time periods identify manifold options for achieving substantial reductions in environmental pressures without (obvious) negative feedbacks for wellbeing. Although there are technical or practical solutions available to escape the unsustainable system dynamics, there is a lack of decisive action required to provide directional, purposive and structural change. Consequently, we need to understand what binds the present lock-in situation and hinders decisive action; and what are the most promising entry points that might trigger initial small changes expanding the opportunity for effectively facilitating fundamental change in the long run.

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