Bibliographic Metadata

Title
"Facedentity" : Subjektentwürfe Jugendlicher und junger Erwachsener Facebook-NutzerInnen im Spannungsfeld von Selbst- und Fremdbestimmung / MMaga Sandra Oswald
Additional Titles
Facedentity : Subjectivation of adolescents and young adult Facebook-Users in the tension between self- and external determination
AuthorOswald, Sandra
CensorSchachtner, Christina ; Hipfl, Brigitte
PublishedKlagenfurt, April 2016
Description250 Seiten : 1 CD-ROM ; Diagramme
Institutional NoteAlpen Adria Universität Klagenfurt, Dissertation, 2016
Annotation
CD-ROM enthält Anhang, Interviewtranskripte
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
Zusammenfassung in englischer Sprache
LanguageGerman
Bibl. ReferenceOeBB
Document typeDissertation (PhD)
Keywords (DE)Subjektivierung im Netz / Online Identitäten /Digitale Identitäten / Posthumanistische Identitätskonzepte / Technikevokation / Selbstdarstellung Online / Subjektivierungsregime Facebook / Virtuelle Selbstentwürfe
Keywords (EN)Subjectivation on the web / online identities / digital identities / posthumanist concepts of identity / evocation of technique / online self-expression / subjectivation regime Facebook / virtual self designs
Keywords (GND)Facebook / Jugend / Selbstdarstellung / Jugend / Social Media / Medienkonsum / Mediatisierung
URNurn:nbn:at:at-ubk:1-25377 Persistent Identifier (URN)
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"Facedentity" [2.36 mb]
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Abstract (German)

Die Erkenntnisse dieser Arbeit zeigen, dass Jugendliche und junge Erwachsene Soziale Netzwerke wie Facebook, neben alltagspragmatischen Motiven, zum Stillen individueller BedÃrfnisse, als Plattform fÃr soziale Beziehungsarbeit und vor allem als BÃhne fÃr Subjektivierung nutzen. Auch die Suche nach Sinnbezug und Verortung findet heute mithilfe und vor allem mit (mobiler) Kommunikation in sozialen Netzwerken statt. Dies gilt besonders fÃr die Suche nach einheitlichen Selbsterfahrungen in Anbetracht fragmentierter postmoderner LebensumstÃ$nde. Entgegen pessimistischer Darstellungen heutiger Jugendlicher als egozentrisch, selbstverliebt und narzisstisch, ist die BeschÃ$ftigung mit dem eigenen Selbst ein wichtiger LoslÃsungs- und Reifeprozess des Jugendalters. Soziale Medien Ãbernehmen hier die Funktion der Selbstvergewisserung und - BestÃ$tigung und sind somit eine wichtige Sozialisationsinstanz. Soziale Netzwerke wie Facebook kÃnnen dazu beitragen, diese fragmentierten Selbstanteile auszuleben, zu erproben und sich durch entsprechende Erfahrungen als kohÃ$rente PersÃnlichkeit wahrzunehmen, denn verschiedene PersÃnlichkeitsaspekte werden an einem Ort gebÃndelt und visualisiert. Facebook ordnet multiple Selbstaspekte und vereint diese auf einer Ãbersichtlichen Plattform. Das System gibt dabei den Handlungs- und Darstellungsrahmen vor. Hier wird sichtbar, dass Selbstdarstellungen auch technischen Mustern und Anrufungen folgen, die Subjekte zu bestimmten Handlungen oder Nutzungspraktiken verleiten. Subjektivierungsprozesse im Internet erfolgen aber nie rein subjekt- oder technikdeterminiert, sondern vielmehr in einem reziproken Mensch-Maschine-WechselverhÃ$ltnis. Subjektivierungsformen auf Facebook stellen eine neue Form der "FaceDentity" dar, also eine durch Facebook mitkonstituierte, digitale IdentitÃ$t. Dieses Spannungsfeld von Autonomie und technischer Einflussnahme stellt also den Rahmen von Subjektivierungsprozessen in Sozialen Netzwerken dar. Subjektivierungsgrenzen verschwimmen zunehmend und Digitale Subjekte sind durch die Aufhebung von Grenzen und BinaritÃ$ten sowie der Bildung neuer und hybrider Subjektivierungsprozesse charakterisiert. Digitale Subjekte werden als "hybride soziodigitale Akteure" beschrieben, die sich durch performative digitale Selbsttechnologien und soziokulturelle Subjektivierungsprozesse im Kontext Sozialer Netzwerke entfalten. Dabei stehen die sich bedingenden Wechselbeziehungen von Technik und Subjekt im Vordergrund. Diese hybriden Konfigurationen Ãberwinden materielle und physikalische Grenzen und versinnbildlichen menschliche Subjektivierung im Spannungsfeld von technischer GouvernementalitÃ$t, soziokulturellen Blickregimen und Individualisierung. Die Subjektivierung im Netz ist gekennzeichnet durch die freiwillige Unterwerfung von Subjekten in systemische Machtstrukturen. Alle AktivitÃ$ten im Netz finden vor einem mehr oder weniger sichtbaren Publikum statt, was vor allem zu einer VerÃ$nderung des VerstÃ$ndnisses von PrivatsphÃ$re fÃhrt und in neuen Subjektivierungspraktiken resultiert. Facebook-NutzerInnen unterliegen also immer der Kontrolle und der Bewertung anderer und internalisieren diese Prozesse selbst. Technologien des Selbst tragen zur digitalen Selbstvermessung bei und positionieren gegenwÃ$rtige Subjekte im Kontext digitaler Regimestrukturen. Mit der Anmeldung bei Facebook unterwerfen sich NutzerInnen den AGB und stimmen den Regeln und Logiken des Systems zu. Viele der befragten Untersuchungssubjekte folgen den Anrufungen und Aufforderungen des Systems als Unternehmerische Selbste und prÃ$sentieren normierte SelbstentwÃrfe im Netz. Die Ergebnisse der durchgefÃhrten Untersuchung haben gezeigt, dass sich trotz der teilweise unbewussten Steuerung von Verhaltensweisen, immer wieder NetzakteurInnen den Logiken des Systems widersetzen und selbstbestimmte, widerspenstige Subjektivierungsformen und Nutzungspraktiken entwickeln. Sie bringen selbstbestimmte Aspekte in die Selbstdarstellung ein und wehren sich gegen die Vereinnahmung des Systems durch die Verwendung von Pseudonymen, Praktiken der Nicht-Identifizierbarkeit, Nicht-eindeutigkeit oder Manipulation. Diese oppositionellen Nutzungsstrategien durchkreuzen die Profitlogiken von Facebook und beanspruchen eine autonome Subjektivierung. Die Untersuchungsergebnisse kÃnnen als Vertiefung und Weiterentwicklung des VerstÃ$ndnisses digitaler Subjektkonstitution im Kontext eines gouvernementalen Systems, welches Menschen zu Darstellungen anleitet, gesehen werden. Sie berÃcksichtigen aber auch selbstbestimmte Aspekte von Subjekten, die sich durch Selbstvergewisserung auszeichnen und eine hybride IdentitÃ$t entwickeln.

Abstract (English)

The findings of this study show that, in addition to everyday pragmatic reasons, adolescents and young adults use social network platforms like Facebook to satisfy individual needs. Furthermore, they use it as a platform for social relationships and as a stage for subjectivation. The search for meaning and positioning nowadays mostly takes place through (mobile) communication in social networks. This is particularly applicable to the search for a unified self-awareness in the context of fragmented postmodern circumstances. Contrary to contemporary pessimistic representations of teenagers as self-centered, self-indulgent and narcissistic, there are perspectives which show that the preoccupation with oneÅ own self is an important separation and maturation process of adolescence. Social media assume the function of self-assurance and confirmation, and are thus an important part of socialization. Social networks like Facebook can help to act out these fragmented parts of the self and try to perceive experiences as a cohesive personality through "appropriation" in which various personality aspects are bundled together and visualized in one place. Facebook also assigns multiple self-aspects and conveniently combines them on one platform. The system of Facebook reflects the action and display frame. Here it is visible that self-portraits follow technical patterns and invocations. They induce subjects to certain perform certain actions or use practices. Subjectivation on the Internet is never purely determined only by subject or technology, but rather in a reciprocal man-machine exchange ratio. Subjectivation on Facebook represents a new form of "FaceDentity," a digital identity partially constituted by Facebook. This tension between autonomy and technical influence thus constitutes the framework of subjectivation in social networks. The confines of subjectivation become increasingly blurred and digital subjects are more often characterized by the abolition of borders and binaries as well as the formation of new and hybrid subjectivation. Digital subjects are described here as "hybrid socio-digital actors" that unfold through performative digital auto technologies and sociocultural subjectivation in the context of social networks. Here, the mutually conditional interrelationships between technology and subject are in the foreground. These hybrid configurations overcome material and physical boundaries and symbolize human subjectivation in the tension between the technical governmentality of sociocultural, scopic regimes and individualization. Subjectivation through the network is characterized by subjects' voluntary submission with in systemic power structures. All activities on the web will find a more or less visible public place that mainly leads to a change in the understanding of privacy and which result in new forms of subjectivation. Facebook users are therefore subject to the control and the evaluation of others, and internalize these processes themselves. "Technologies of the self" contribute to digital self-survey and the position of current contemporary subjects within the context of digital regime structures. When logging in to Facebook, users submit to the Terms and Conditions and agree to the rules and logic of the system. Many of the subjects interviewed follow the interpellations and prompts of the system as "entrepreneurial selves" and represent normalized self-designs within the network. The results of this study have shown that, there are always network actors who defy the logic of the system and develop self-determined, stubborn subjectivation use practices. They bring forth certain aspects in their self-representation and defend themselves against appropriation by the system through the use of pseudonyms and practices of non-identifiability, ambiguity or manipulation. These oppositional use strategies thwart the profit logic of Facebook and claim an autonomous subjectivation. The results of this thesis can be seen as a deepening of and a development in the understanding of digital subjectivation within the context of a governmental system of representations. However, it also considers certain aspects of independent developments of subjectivity characterized by self-assurance and hybrid identity.

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