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Title
"Ihr müsst anfangen auf die Bühne zu gehen und echt zu werden" : performatives Reality TV als Schmiede neoliberaler Gouvernementalität / Isabella Terkl
Additional Titles
Performative Reality TV as smithy of neoliberal Governmentality
AuthorTerkl, Isabella
CensorHipfl, Brigitte ; Krainer, Larissa
Published2008
DescriptionIII, 232, CCIX Bl. : Ill.
Institutional NoteKlagenfurt, Alpen-Adria-Univ., Diss., 2008
Annotation
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
LanguageGerman
Bibl. ReferenceKB2008 01 ; OeBB
Document typeDissertation (PhD)
Keywords (DE)Reality TV / Genre / Performativität / Neoliberalismus / Gouvernementalität
Keywords (GND)Reality-TV / Neoliberalismus
URNurn:nbn:at:at-ubk:1-24076 Persistent Identifier (URN)
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"Ihr müsst anfangen auf die Bühne zu gehen und echt zu werden" [2.96 mb]
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Abstract (German)

In Bezug auf Fernsehsendungen wie Big Brother sind "Real-Life-Soap", "Real-People-Show", "Reality-Soap", "Reality-Show", "Docusoap", "Docutainment", "Realtainment" und "Echtmenschenfernsehen" nur einige Termini, die von ProduzentInnen, JournalistInnen RezipientInnen, in Programmzeitschriften oder innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses verwendet werden, um dieses "neuartige" PhÃ$nomen einzuordnen bzw. zu beschreiben. Durch die differierende Begriffsvielfalt wird einerseits deutlich, dass KlÃ$rungsbedarf in Hinblick auf das besteht, was derartige Sendungen auszeichnet. Zum anderen verweisen die unterschiedlichen Termini auf die Entwicklung hin zu einer realitÃ$tsbezogenen Fernsehunterhaltung, die innerhalb der BRD seit Beginn der 1990er-Jahre zu beobachten ist. Die angefÃhrten Aspekte waren Anlass Big Brother und Co. ins Zentrum meiner Dissertation zu stellen und den Fragen nachzugehen, welcher Begriff derartigen TV-Sendungen am ehesten gerecht wird, mit welchen methodischen Mitteln sie sich am besten fassen, beschreiben und analysieren lassen sowie jener, ob Big Brother mÃglicherweise keine Erfindung des Jahres 2000 ist, sondern eine Fortsetzung des Anfang der 1990er-Jahre aufkommenden Reality TVs. Reality TV als Genre und folglich als etwas Lebendiges, sich Wandelndes, das unter spezifischen Bedingungen entsteht zu entfalten, ist Ausgangspunkt fÃr die DurchfÃhrung einer detaillierten historischen Genreanalyse des bundesdeutschen Reality TVs, wobei sich der analytische Fokus auf das Angebot der privat-kommerziellen Sendeanstalten Sat1, Kabel1, Pro7, Vox, RTL, RTL2 und Super RTL richtet.

Der Gegenstand, welcher bei den genannten Sendern im Zeitraum vom 1.

September 2004 bis zum 31. MÃ$rz 2006 erhoben wurde, umfasst 76 Sendungen. Da ich Genre als Schnittstelle von historischen, formalen und inhaltlichen als auch gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen entwerfe, wende ich mich in meiner Dissertation der (internationalen) Genese des Reality TVs zu und zeichne jene Entwicklungstendenzen nach, die innerhalb des bundesdeutschen Rundfunks zu einem realitÃ$tsbezogenen Fernsehprogramm gefÃhrt und Sendungen wie Big Brother ermÃglich haben.

Durch eine Diskussion ausgewÃ$hlter wissenschaftlicher Arbeiten, die sich Anfang der 1990er-Jahre mit dem fÃr die BRD neuen PhÃ$nomen Reality TV befassten, arbeite ich heraus, wie die einzelnen zum Teil thematisch sehr verschiedenen Sendungen kategorisiert wurden und welche Annahmen bzw. Konzepte jeweils an den Begriff Reality TV geknÃpft waren. Dadurch kann ich die historische VerÃ$nderung des Genres verdeutlichen und gleichzeitig zeigen, dass Angela Keppler in ihrer Auseinandersetzung mit Sendungen des so genannten "narrativen und performativen RealitÃ$tsfernsehens" (Keppler, 1994) Merkmale beschreibt, die auch das derzeitige Reality TV-Angebot treffend charakterisieren. Zumal Genres auf verÃ$nderte Dispositionen des kulturellen Umfeldes reagieren und sich folglich transformieren, nehme ich eine neuerliche Konturierung des Genrecorpus vor, die auf der Erstellung von Sendungsprotokollen basiert.

Erst dadurch wird es mÃglich den tatsÃ$chlichen kulturellen Zusammenhang, die faktische Wechselwirkung von Ã$hnlichen Texten zu betonen und ein Kategoriensystem zu entwickeln, welches Ãber die im Erhebungszeitraum vorhandenen Produkte gespannt werden kann. Dabei zeigt sich, dass eine immense Ausdifferenzierung gerade im Bereich der performativen Reality TV-Sendungen zu beobachten ist. Diese Beobachtung fÃhrt zur Fragestellung, wieso sich das Genre Reality TV und hier speziell das Subgenre des performativen RealitÃ$tsfernsehens gerade zum jetzigen Zeitpunkt groÃer PopularitÃ$t erfreut. Ich gehe davon aus, dass es den Nerv der ZuseherInnen trifft, indem es gesellschaftlich und kulturell vorherrschende Diskurse (z. B. FlexibilitÃ$t, Konkurrenz, Teamwork, etc.) aufgreift und ausstellt. Einhergehend mit einer genauen Betrachtung des titelgebenden Begriffs des performativen RealitÃ$tsfernsehens deute ich in der Analyse der formalen und inhaltlichen Dimension des Subgenres an, dass nicht nur Castingshows, sondern auch Big Brother und Superadvisorsendungen eine spezifische PerformativitÃ$t im Sinne von technologischen und Ãkonomischen Diskursen "als Leistungs- und DurchsetzungsvermÃgen in Konkurrenzsituationen" (Fischer-Lichte/Kolesch, 1998) verlangen und fÃrdern, die wiederum an den gesellschaftlichen Diskurs des Neoliberalismus anknÃpft. Die Sendungsanalyse von Big Brother - Das Dorf, Popstars 4 - Jetzt oder nie! sowie Lebe dein Leben! - Life-Coaching mit Detlef D! Soost soll zeigen, auf welche Weise neoliberale Diskurse und gouvernementale Praktiken innerhalb des Genres Reality TV aufgegriffen und ausgestellt werden. Die Untersuchung der Sendungen bildet das letzte TeilstÃck meiner Genreanalyse, die den Anspruch erhebt, sowohl historische, formale und inhaltliche als auch gesellschaftliche und kulturelle Dimensionen gleichermaÃen zu berÃcksichtigen.

Abstract (English)

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