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Title
Von der familialen Altenpflege zur Institutionalisierung : Emotionen der Angehörigen im Betreuungsverlauf / Michaela Mayr
Additional Titles
From familiy-care to nursing home
AuthorMayr, Michaela
CensorMarying, Philipp ; Janig, Herbert
Published2010
Description256 Bl. : graph. Darst.
Institutional NoteKlagenfurt, Alpen-Adria-Univ., Diss., 2010
Annotation
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
LanguageGerman
Bibl. ReferenceKB2010 04 ; OeBB
Document typeDissertation (PhD)
Keywords (DE)Familiale Pflege / Heimeinweisung / Heimalltag Emotionen der verantwortlichen Angehörigen
Keywords (GND)Altenpflege / Familienangehöriger / Gefühlsreaktion
URNurn:nbn:at:at-ubk:1-12395 Persistent Identifier (URN)
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Von der familialen Altenpflege zur Institutionalisierung [1.27 mb]
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Abstract (German)

Die vorliegenden Studienergebnisse zur Situation von AngehÃrigen im Betreuungsprozess ihrer betagten Familienmitglieder beziehen sich auf die familiale Betreuung und Pflege (Phase 1), die Heimeinweisung der zu betreuenden betagten Verwandten (Phase 2), bis hin zur Betreuung im Pflegeheimalltag (Phase 3). Zur Beantwortung der Fragestellung wurden in Kooperation mit zwei KÃ$rntner Pflegeheimen Interviews mit 44 AngehÃrigen durchgefÃhrt, unter dem Aspekt einer anwendungsorientierten Forschung.

Die Emotionen der betroffenen AngehÃrigen im gesamten Betreuungsverlauf (Kategoriensystem 1 Emotionen im Betreuungsverlauf) waren das Kernthema der vorliegenden Studie. Die aus den 44 durchgefÃhrten Interviews gewonnenen Ergebnisse zeigen die insgesamt 697, von den AngehÃrigen beschriebenen GefÃhle aus vier Perspektiven: die Anteile der neun GefÃhlsdimensionen und deren unterschiedliche Facetten, weiters die HÃ$ufigkeiten der unterschiedlichen GefÃhlsÃ$uÃerungen im Gesamten innerhalb der einzelnen Betreuungsphasen und schlieÃlich den Vergleich der HÃ$ufigkeiten positiv und negativ auftretender Emotionen im Phasenverlauf. HÃ$ufig gab es mehr als einen Grund zur Entscheidung einer Heimeinweisung. HauptauslÃser fÃr so einen typischen Ablauf war aber meist eine fortschreitende gesundheitliche Verschlechterung, wie etwa die kontinuierliche Abnahme der kognitiven LeistungsfÃ$higkeit, die zu VerhaltensauffÃ$lligkeiten fÃhrte, welche aggressive Handlungen der zu betreuenden Personen gegenÃber ihren AngehÃrigen zur Folge hatte und in weitere Folge entweder Beziehungsprobleme innerhalb der betreuenden Familie oder massive Éberforderung der betreuenden AngehÃrigen auslÃste.

Die Entscheidung und somit die Verantwortung fÃr eine Heimeinweisung, lastete vorwiegend, bei zwei Drittel der vorliegenden FÃ$lle, auf den fÃr die Betreuung hauptverantwortlichen AngehÃrigen. Einem Drittel der Befragten wurde zustÃ$ndige medizinische ExpertInnen klare Empfehlungen zur Heimeinweisung der zu betreuenden Verwandten abgaben oder indem kurzfristig ein Pflegeplatz frei wurde. Im Idealfall und von den verantwortlichen AngehÃrigen als positiv erlebt, entschieden sich die Betagten selbst fÃr eine Ébersiedelung in ein Pflegeheim. Diese Formen der Entscheidungsabnahme wurden von den betroffenen AngehÃrigen dann als GrÃnde zum Handeln wahrgenommen. Wenn man bedenkt wie herausfordernd die Begleitung, Betreuung und Pflege betagter Familienmitglieder sein kann (Galasinski, 2004; Schneekloth, 2006a; Zeller et al., 2003), so konnten die befragten AngehÃrigen erstaunlich wenig Ãber eine mÃgliche erhaltene UnterstÃtzung berichten. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Betreuung und die damit verbundenen Herausforderungen mit der Entscheidung zur Institutionalisierung der pflegebedÃrftigen Verwandten trotzdem nicht wegfallen. Wie bereits erwÃ$hnt, waren trotz vielseitiger Anforderungen, vor allem auf emotionaler Ebene, die Anregungen seitens der befragten AngehÃrigen, bezÃglich weiterer notwendiger UnerstÃtzung, bedauerlicherweise sehr gering. Es stellt sich die Frage: Was kÃnnten unterschiedliche UnterstÃtzungsmaÃnahmen bewirken, wenn die verantwortlichen AngehÃrigen emotional verunsichert sind? TagtÃ$glich und das oft Ãber Jahre oder Jahrzehnte, waren und sind die betreuenden AngehÃrigen mit den zunehmenden Gebrechlichkeiten und Sterbeprozessen ihrer betagten Verwandten konfrontiert, um bei Bedarf darauf in bestimmter Form mit UnterstÃtzungsmaÃnahmen zu reagieren. Der Zeitraum der Begleitung, wie auch die Art und Weise sind oftmals ungewiss. Hinzu kommt, dass die verantwortlichen AngehÃrigen, wie bereits erwÃ$hnt, auch dem gesellschaftlichen Erwartungsdruck ausgesetzt sind, familiale Pflege zu leisten. Im Umgang mit der eigenen EmotionalitÃ$t erfahren die betroffenen AngehÃrigen wenig Unterst UnterstÃtzung auch nicht ein und es stellt sich die Frage, ob sie denn Ãberhaupt bereit wÃ$ren, diese anzunehmen.

Die Studienergebnisse verdeutlichen die emotionale Belastung der befragten, fÃr die Betreuung und Pflege ihrer betagten Familienmitglieder verantwortlichen AngehÃrigen. Diesen Menschen, mit so groÃer Verantwortung, wird in der Ãffentlichkeit viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil. Viele AngehÃrige, gefangen innerhalb ihrer intergenerationalen SolidaritÃ$t, tragen die Hauptlast der Betreuung und Pflege ihrer betagten Verwandten viel zu lange mit sich alleine.

Betreuung scheint hierbei nur in Form von einem persÃnlichen kÃrperlichen und emotionalen Einsatz verstanden zu werden. Die Familie selbst ist es, die pflegt. Von liberalen Betrachtungsweisen als Alternative dazu sind wir noch sehr weit entfernt. Verantwortung fÃr die hilfsbedÃrftigen Betagten zu Ãbernehmen, sollte jedoch nicht Ãber Aufopferung, sondern anderwÃ$rtig verstanden und definiert sein: die VerantwortungsÃbernahme soll selbstverstÃ$ndlich weiterhin den betroffenen AngehÃrigen zuteil werden, dies aber in Form von Delegation an ExpertInnen, sozusagen als organisierte Betreuung.

VerlÃ$sslichkeit durch genaue Pflegeorganisation und Zuwendung sollten daher zum Hauptkriterium im neuen reziprozitÃ$ren Denken werden.

Wenn sich die AngehÃrigen nicht als EinzelkÃ$mpfer sehen wÃrden, sondern sich als Teil eines Netzwerkes wahrnehmen kÃnnten, wÃrde dadurch die Verantwortlichkeit fÃr die Pflegedelegation an eine Institution und somit der Heimeintritt der zu pflegenden betagten Verwandten nicht ausschlieÃlich auf ihnen lasten. Die Begleitung und Betreuung von betagten Familienmitgliedern hÃrt mit deren Institutionalisierung noch nicht auf, sie erhÃ$lt nur eine andere Facette: Freiwilligkeit und vermehrte Achtung auf die persÃnlichen Ressourcen.

Abstract (English)

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