Titelaufnahme

Titel
NachgeSCHLAGene SCHLÄGE : Folter in literarischen Beispielen / Barbara Einhauer
Weitere Titel
Torture in literature.
VerfasserEinhauer, Barbara
Begutachter / BegutachterinLengauer, Hubert ; Amann, Klaus
Erschienen2010
Umfang314 Bl. : Ill.
HochschulschriftKlagenfurt, Alpen-Adria-Univ., Diss., 2010
Anmerkung
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
Zsfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzKB2010 11 ; OeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Folter, Folterdiskurs, Diskursanalyse, Foltersituation, Folterszenen, Darstellbarkeit.
Schlagwörter (EN)Torture / Discourse of Torture in Literature.
Schlagwörter (GND)Folter <Motiv> / Literatur
URNurn:nbn:at:at-ubk:1-8085 Persistent Identifier (URN)
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NachgeSCHLAGene SCHLÄGE [1.57 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Dissertation "NachgeSCHLAGene SCHLÃGE" entstand im Eindruck der aktuellen Diskussion rund um die in den Medien kolportierten FoltervorfÃ$lle von Abu Grahib und Guantánamo Bay im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Mittels der Diskursanalyse galt es zu befragen, auf welche Weise Folter in der Literatur dargestellt wird. Um die Analyse in einen kulturwissenschaftlichen Kontext zu stellen, wurden modellhafte Foltersituationen aus der Geschichte der Folter wie Prometheus, die Passion Jesu Chrsiti und weitere befragt, etwa die in der Nachfolge Christi stehenden MÃ$rtyrer. Disziplinen wie die psychologische, soziologische und juridische bis zu Gewalt- und Schmerzdiskurs wurden im ersten Teil der Arbeit zu Aspekten der Folter untersucht. Im zweiten, die Analysen der literarischen Beispiele bringenden Teil widmet sich ein erster Abschnitt der Barockzeit mit von Spee, Gryphius, Lohenstein und Grimmelshausen. Friedrich von Spees Argumentation gegen Folter war insofern brisant, als er als Jesuit Beichtvater von gefolterten Hexen war und er sich in seiner rhetorisch klug aufgebauten Gegnerschaft in der zunÃ$chst auf Latein verfassten "Cautio Criminalis" auch selbst gefÃ$hrdete. In Gryphius MÃ$rtyrerdrama Catharina von Georgien (1657) ist Folter ein Weg der imitatio Christi, politisch-weltlich orientieren sich die Motive im Drama Epicharis (1665) von Lohenstein. AusgewÃ$hlte Beispiele aus der Shoah-Literatur sind groÃteils von Autoren verfasst, welche die Folter am eigenen Leib durchlitten hatten. Hier wird Jean Amérys zuerst als Radiovortrag konzipierter Essay "Die Tortur" in seinen Varianten untersucht. Durch Alexander Tismas Schule der Gottlosigkeit gewinnt der Leser die Innensicht auf ein TÃ$terpsychogramm.

Milo Dors Roman Tote auf Urlaub (1952) hat stark autobiografische ZÃge, variiert bereits geschilderte Foltermethoden und deren literarische Darstellung. Der Roman ist ein wertvolles Zeugnis des Widerstands gegen das Nazi-Regime, ohne diese Haltung zu heroisieren. Dor, der mittels Montagetechnik erzÃ$hlt, beschreibt auch die PersÃnlichkeiten der Folterer. Ebenso wie Améry, der den realen Namen seines ihn folternden SS-Schergen im Text nannte, hat auch Dor den seiner Folterknechte im literarischen Text festgehalten. Und wie auch bei Améry hat mÃglicherweise ein HÃrfehler (Gujicic ist im Text "Gruitschich") verhindert, dass der TÃ$ter nach dem Krieg wirksam verfolgt und zur Rechenschaft gezogen werden konnte, vom mangelnden Schuldbewusstsein einmal abgesehen. Mit Mauricio Rosencof und dem Bataraz (1996) knÃpft die Arbeit beispielhaft an in jÃngster Zeit in Lateinamerika stattgefunden habende Folterungen an. Der aktuelle, auf die Jahre 2008/2009 bezogene weltweite Folterdiskurs findet im Anhang Widerhall: Das Human Rights Center der University of California, Berkley, verÃffentlichte im Internet einen ausfÃhrlichen kritischen Bericht zu "Guantánamo and its Afternath". Intellektuelle wie Noam Chomsky, Judith Butler und Jacques Derrida Ã$uÃern sich in jÃngsten Publikationen zum Thema und kritisieren die Verbreitung der Gewalt auch mittels der Sprache, konkret am Wort "rouge state" bzw. im Deutschen "Schurkenstaaten", die subtil vorbereiten, die von Alexander Mitscherlich als so gefÃ$hrlich weil gewaltauslÃsend wirkende "Hassimago" aufzubauen. Der UN-Sonderbeauftragte Ãber Folter, Manfred Nowak, wurde in Wien persÃnlich befragt. Fazit ist das Zusammenwirken von tradierten Mustern innerhalb der Imagination von Folter, die diese zur inhumansten denkbaren Drohung macht, der ein Mensch ausgesetzt werden kann. Dieses Mittel nicht einzusetzen hat man zwar in diversen Gesetzestexten ab dem Zweiten Weltkrieg, beginnend mit der Allgemeinen ErklÃ$rung der Menschenrechte (1948), oftmals formuliert. Fakt ist, dass weltweit ungebrochen weiter gefoltert wird, auch von Staaten, wie die Vereinigten Staaten von Amerika, die Geburtsland der MenschenrechtserklÃ$rung sind. Literarische Darstellbarkeit von Gewalt bedient sich diverser Masken und Codes, man beschreibt Raum- und KÃrperwahrnehmungen, spart zumeist die eigentliche grauenhafte Handlung aus, oder lÃ$sst Andere berichten, in diesem Dazwischen entfaltet der/die LeserIn mit seinem Erfahrungshorizont das Szenario, das man meint, aus vielfÃ$ltiger medialer Vermittlung zu kennen. Doch: "Wer einmal der Folter unterlag, kann nie mehr heimisch werden in der Welt" (Améry). Die irreparablen SchÃ$den auch von sogenannter "weiÃer", weil ohne Ã$uÃere Gewalteinwirkung stattfindender Folter belasten nicht nur das Opfer, sondern traumatisierend auch nachfolgende Generationen. Ein nicht zu unterschÃ$tzendes Erbe, das sich die (jÃngste) Geschichte mit solche Taten aufbÃrdet.

Zusammenfassung (Englisch)

At all times the cruel practice of torture was executed to force people to admit or reveal certain issues and/or to break their mind.

This dissertation wants to show that there are special codes that can be found within the torture-situation and that those codified words are used in everyday life and are described in different media like literature, but also in films and drawings. Unlawful interrogations and punishments have become routine practices by security services in or off duty, even in the democratic, "civilised" West. Due to this reason it is essential to discuss torture and its impacts. This thesis will give a short description of the anthropology of torture, including selected examples of texts describing torture situations. Two epochs are going to be dealt with more closely: The Era of the literary Baroque and the Holocaust, also known as Shoah. While in Baroque times the act of torturing was more or less seen as a public daily practice (Richard van DÃlmen referred to it as a "Theatre of Horror"), it remained rather secret in the Era of the Nazi regime, though it can be seen as an "open secret". Collective torture was practised in concentration camps with a system of consumption, forced labour and destructing rituals, falling in for roll call instructions for hours were common. In recent times the interest in the discourse of torture has been rising. Examples like Guantánamo prove that reports on broadcasting services enforce this phenomenon. It is also illustrated that the actual occurrences are based on old patterns which can be seen in the performance of torture as well as in the language which is used in certain torture situations.

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