Titelaufnahme

Titel
Nip/Tuck oder doch die Venus von Willendorf? : Körperlichkeit und Motivation im Fitness-Sport der Postmoderne - zwischen Ästhetik, Ritual und psychischer Störung / Sarah Nettel
Weitere Titel
Nip/Tuck or still the Venus of Willendorf?
VerfasserNettel, Sarah
Begutachter / BegutachterinKrainz, Ewald ; Paul-Horn, Carina
Erschienen2010
UmfangXIII, 444 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
HochschulschriftKlagenfurt, Alpen-Adria-Univ., Diss., 2010
Anmerkung
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
Zsfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzKB2010 04 ; OeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Fitness / Sport / Motivation / Körperlichkeit / Narzissmus / Charaktere / Interventionsforschung / Körper / Ästhetik / Individualisierung
Schlagwörter (EN)fitness / sport / motivation / physicallness / narcissism / characters / intervention research / body / aesthetics / individuality
Schlagwörter (GND)Fitnesstraining / Motivation
URNurn:nbn:at:at-ubk:1-1538 Persistent Identifier (URN)
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Nip/Tuck oder doch die Venus von Willendorf? [4.06 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Diese Dissertation ist das Resultat einer qualitativen Forschung im Rahmen der Interventionsforschung und beschäftigt sich mit den Motivhintergründen des Fitness-Sports und damit einhergehend mit der zunehmenden Körperfokussierung des Menschen. Die primären Fragestellungen der Forschung beziehen sich auf die Motivationsaspekte von Kunden und potentiellen Kunden von Fitness-Studios, sich der sportlichen Aktivität in Fitness-Studios zu widmen, und auf Motivationsaspekte von Nicht-Sportlern, den Ort Fitness-Studio abzulehnen. Dazu wurden Gespräche mit 36 Interviewpartnern - Sportlern, Nicht-Sportlern und Experten - geführt. Hervorgehoben und in den theoretischen Kontext gestellt werden in dieser Arbeit die Themen Ästhetik im körperlichen Sinne, Fitness-Sport und Motivation. Dargestellt werden der Fitness-Sport und die Agora "Fitness-Studio" in Österreich und ihre historische Entwicklung. Eine Typisierung von Fitness-Studio-Besuchern soll die Agora als Ort der Begegnung sowie des Erlebens noch präziser veranschaulichen. Die kulturelle Entbettung und zunehmende Individualisierung werden als Gründe des Besuchs von Fitness-Studios erläutert. Zusätzlich sind psychologische, philosophisch anthropologische und entwicklungstheoretische Überlegungen zum primären Motivationsgrund "Körperfokussierung im ästhetischen Kontext" unternommen worden. Dazu finden in dieser Dissertation gesellschaftliche Änderungen ebenso Berücksichtigung wie Eitelkeit, narzisstische und borderline Persönlichkeitstendenzen, das Körperausschaltprinzip, dem die menschliche Spezies unterworfen ist, und der regressive Charakter, den ich Fitness-Studios zuspreche. Der historische Bezug zur weiblichen und männlichen Körperlichkeit und der zweckgebundene Einsatz des Körpers im Nationalsozialismus zeigen die damaligen und heutigen Auswirkungen auf das Schönheitsideal. Die Diskussion grundlegender Motivationsmodelle schließt den Theorieteil der Arbeit ab.

Aus dieser Forschung ist ersichtlich, dass das Thema Körperlichkeit sowohl bei Sportlern als auch bei Nicht-Sportlern stark ausgeprägt ist.

Der schlanke, arische, perfekte und wohl definierte muskulöse Körper stellt das nachahmenswerte Körperbild der heutigen Zeit dar, das Sportler und Nicht-Sportler gleichermaßen bewundernswert finden. Der androgyne Körperbau bzw. die zunehmende "Vermischung" aus Frau und Mann mit dem Fokus auf den männlichen Leib, ist das Zielbild des Körpers, das angestrebt wird. Dem Drang nach Perfektion wird deshalb nicht selten intensiv nachgegangen - das kann auf psychischen Störungen basieren und reicht bis zur körperlichen Erschöpfung oder sogar gesundheitlichen Einschränkungen. Diese Dissertation kommt zum Resultat, dass Fitness der Gestaltung des Körpers (Ästhetik, Gesundheit) und des Geistes (Freude, soz. Aspekt, Abschalten, energetischer Ausgleich etc.) dient, aufgrund des regressiven Charakters die holistische Entwicklung des Menschen zum Ziel hat und auf die erhöhte Individualisierung in unserer Gesellschaft und damit einhergehend auf die zunehmende Einsamkeit und den steigenden Leistungsanspruch beim Individuum zurückzuführen ist.

Abschließend fließen die Ergebnisse der qualitativen Forschung in kommunikationswissenschaftliche Überlegungen zur Kommunikationsarbeit für Fitness-Studios sowie in einen Knigge der Agora "Fitness-Studio" ein.

Zusammenfassung (Englisch)

This doctoral thesis is the result of qualitative study in the field of intervention research. It deals with the motivations behind fitness sports and - along the same lines - with people's increasing focus on the body. The primary questions posed by the study relate to aspects motivating clients and potential clients of fitness studios to do sports in a fitness studio and to aspects causing non-sportspeople to reject fitness studios. 36 persons were interviewed: sportspeople, non-sportspeople, and experts.

The thesis highlights the topics of physical aesthetics, fitness sports and motivation, and puts them in a theoretical context. It presents fitness sports and the fitness studio environment in Austria and outlines their development over time. Users of fitness studios are typified in order to more clearly identify studios as venues for meeting and experiencing. Cultural disruption and increasing individualization are referred to as reasons for visiting fitness studios. In addition, psychological, philosophico-anthropological as well as developmental-theory-related considerations are made on people's primary motivation - their focus on the body, in an aesthetic context. This thesis also considers changes in society as well as vanity, narcissistic and borderline personality traits, the principle of cutting out things physical, common to all humanity, and the regressive character that I attribute to fitness studios. A historical review of female and male body features, including the target-oriented use of the body during the Nazi regime, demonstrates past and present effects on ideal beauty. The theoretical section is rounded off by a discussion of motivational models. The results of this study show that physicality is of top priority to sportspeople and non-sportspeople alike. A slim, Arian, perfect, well-defined, muscular body is today's role model, an image admired by sportspeople and non-sportspeople alike.

An androgynous build, increasingly mingling female and male builds with a preference for male aspects, is the ultimate aim. Perfection is often pursued intensely. This may be due to psychic disorders but may well include physical exhaustion or even impairing one's health.

The thesis concludes the following: Fitness serves the purpose of shaping body (aesthetics, health) and mind (joy, social aspects, relaxing, energetic balancing, etc.). Fitness is regressive in character, thus aiming at the holistic development of man. Fitness is a result of our society becoming increasingly individualistic. As a consequence, people become more and more lonely and, at the same time, increase their performance standards.

The results of the qualitative study form an integral part of communication research considerations on communication strategies for fitness studios and of an "etiquette" for fitness studios in general.

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